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Ausnahmen - Wann kein Dehnungs-h steht

Ausnahmen - Wann kein Dehnungs-h steht

Warum gibt es Ausnahmen?

Du hast gelernt, dass das Dehnungs-h meist vor den Konsonanten l, m, n und r steht. Doch die deutsche Rechtschreibung wäre nicht komplett, wenn es nicht auch Ausnahmen gäbe! Es gibt viele Wörter mit langen Vokalen, die kein Dehnungs-h haben, obwohl sie die Voraussetzungen erfüllen würden.

Diese Ausnahmen folgen bestimmten Mustern, die du systematisch lernen kannst. Wenn du diese Ausnahmeregeln kennst, wirst du sicherer beim Schreiben und kannst besser entscheiden, wann ein Wort ein Dehnungs-h braucht und wann nicht.

Ausnahme 1: Wörter mit q, sch, sp oder t am Anfang

Eine wichtige Ausnahmeregel betrifft Wörter, die mit bestimmten Buchstaben oder Buchstabenkombinationen beginnen. Wörter, die mit q, sch, sp oder t anfangen, haben niemals ein Dehnungs-h, auch wenn der Vokal lang gesprochen wird und auf l, m, n oder r folgt.

Wörter mit q am Anfang

Wörter, die mit q beginnen, schreibt man ohne Dehnungs-h:

  • die Qual (kein Dehnungs-h, obwohl der Vokal a lang ist und l folgt)
  • quälen (kein Dehnungs-h)
  • die Quelle (kein Dehnungs-h)

Wörter mit sch am Anfang

Wörter, die mit sch beginnen, haben kein Dehnungs-h:

  • die Schule (kein Dehnungs-h, obwohl der Vokal u lang ist und l folgt)
  • der Schal (kein Dehnungs-h)
  • die Schale (kein Dehnungs-h)
  • schön (kein Dehnungs-h)

Wörter mit sp am Anfang

Wörter, die mit sp beginnen, schreibt man ohne Dehnungs-h:

  • sparen (kein Dehnungs-h, obwohl der Vokal a lang ist und r folgt)
  • der Spaten (kein Dehnungs-h)
  • die Spur (kein Dehnungs-h)
  • spülen (kein Dehnungs-h)

Wörter mit t am Anfang

Wörter, die mit t beginnen, haben kein Dehnungs-h:

  • das Tal (kein Dehnungs-h, obwohl der Vokal a lang ist und l folgt)
  • der Ton (kein Dehnungs-h)
  • teilen (kein Dehnungs-h)
  • das Tor (kein Dehnungs-h)
  • die Tür (kein Dehnungs-h)
  • tönen (kein Dehnungs-h)

Aber Achtung! Es gibt fünf wichtige Ausnahmen von dieser Ausnahme – Wörter, die trotz dieser Regel ein Dehnungs-h haben:

  • der Stuhl (hat ein Dehnungs-h, obwohl es mit st beginnt!)
  • der Stahl (hat ein Dehnungs-h, obwohl es mit st beginnt!)
  • der Strahl (hat ein Dehnungs-h, obwohl es mit str beginnt!)
  • der Pfahl (hat ein Dehnungs-h, obwohl es mit pf beginnt!)
  • stehlen (hat ein Dehnungs-h, obwohl es mit st beginnt!)

Diese fünf Wörter musst du dir besonders gut merken, weil sie von der Regel abweichen!

Ausnahme 2: Nach Doppellauten (Diphthongen)

Doppellaute oder Diphthonge sind Kombinationen aus zwei Vokalen, die zusammen einen Laut bilden: eu, äu, au, ai und ei. Nach diesen Doppellauten steht meistens kein Dehnungs-h, selbst wenn danach l, m, n oder r folgt.

Nach eu

  • die Eule (kein Dehnungs-h nach eu)
  • euer (kein Dehnungs-h)
  • Euro (kein Dehnungs-h)

Nach äu

  • der Räuber (kein Dehnungs-h nach äu)
  • Räume (kein Dehnungs-h)
  • säumen (kein Dehnungs-h)

Nach au

  • der Raum (kein Dehnungs-h nach au)
  • der Baum (kein Dehnungs-h)
  • laufen (kein Dehnungs-h)
  • der Traum (kein Dehnungs-h)

Nach ai

  • der Mais (kein Dehnungs-h nach ai)
  • der Mai (kein Dehnungs-h)
  • der Kai (kein Dehnungs-h)

Nach ei

  • die Leiter (kein Dehnungs-h nach ei)
  • der Reim (kein Dehnungs-h)
  • feiern (kein Dehnungs-h)
  • leise (kein Dehnungs-h)

Das Wort meistens ist hier wichtig: Die Regel sagt, dass nach Doppellauten meistens kein Dehnungs-h steht. Es gibt also auch hier Ausnahmen, aber sie sind sehr selten.

Ausnahme 3: Bestimmte Nachsilben und Vorsilben

Einige Nachsilben (Suffixe) und Vorsilben (Präfixe) werden grundsätzlich ohne Dehnungs-h geschrieben.

Nachsilben ohne Dehnungs-h

Die Nachsilben -bar, -sal, -sam und -tum schreibt man immer ohne Dehnungs-h:

  • denkbar (Nachsilbe -bar, kein Dehnungs-h)
  • wunderbar (Nachsilbe -bar, kein Dehnungs-h)
  • das Rinnsal (Nachsilbe -sal, kein Dehnungs-h)
  • das Schicksal (Nachsilbe -sal, kein Dehnungs-h)
  • arbeitsam (Nachsilbe -sam, kein Dehnungs-h)
  • langsam (Nachsilbe -sam, kein Dehnungs-h)
  • der Reichtum (Nachsilbe -tum, kein Dehnungs-h)
  • das Eigentum (Nachsilbe -tum, kein Dehnungs-h)

Vorsilbe ohne Dehnungs-h

Die Vorsilbe ur- wird immer ohne Dehnungs-h geschrieben:

  • urgemütlich (Vorsilbe ur-, kein Dehnungs-h)
  • uralt (Vorsilbe ur-, kein Dehnungs-h)
  • der Urlaub (Vorsilbe ur-, kein Dehnungs-h)

Ausnahme 4: Besondere Pronomen mit Dehnungs-h

Während die meisten Wörter mit dem Vokal i kein Dehnungs-h haben, gibt es eine wichtige Ausnahme: Bestimmte Pronomen (Fürwörter) werden mit Dehnungs-h geschrieben.

Nach dem Vokal i steht das Dehnungs-h nur bei diesen Pronomen:

  • ihr (z.B.: „Das ist ihr Buch.")
  • ihn (z.B.: „Ich sehe ihn.")
  • ihm (z.B.: „Ich gebe ihm das Buch.")
  • ihre (z.B.: „Das sind ihre Stifte.")
  • ihrer (z.B.: „Ich erinnere mich ihrer.")
  • ihnen (z.B.: „Ich helfe ihnen.")
  • ihren (z.B.: „Sie besuchen ihren Opa.")

Diese sieben Wörter sind eine wichtige Ausnahme und kommen sehr häufig vor. Merke sie dir gut!

Vergleich:

  • ihn (Pronomen, mit Dehnungs-h) ↔ in (Präposition, ohne h)
  • ihr (Pronomen, mit Dehnungs-h) ↔ irre (Adjektiv, ohne h im i)

Leicht verwechselbare Wortpaare

Manche Wörter klingen sehr ähnlich, werden aber unterschiedlich geschrieben. Bei einigen Paaren hat ein Wort ein Dehnungs-h, das andere nicht. Diese Wörter haben auch unterschiedliche Bedeutungen.

Mal vs. Mahl

  • dieses Mal (ohne Dehnungs-h) = einmal, ein bestimmter Zeitpunkt
    • Beispiel: „Dieses Mal habe ich es richtig gemacht."
  • das Mahl (mit Dehnungs-h) = eine Mahlzeit, Essen
    • Beispiel: „Das Mahl wurde am Abend serviert."

Wal vs. Wahl

  • der Wal (ohne Dehnungs-h) = ein großes Meeressäugetier
    • Beispiel: „Der Wal schwimmt im Ozean."
  • die Wahl (mit Dehnungs-h) = etwas auswählen, eine Entscheidung treffen
    • Beispiel: „Bei der Wahl habe ich für Lisa gestimmt."

war vs. wahr

  • war (ohne Dehnungs-h) = Vergangenheitsform von „sein"
    • Beispiel: „Ich war gestern im Kino."
  • wahr (mit Dehnungs-h) = richtig, der Wahrheit entsprechend
    • Beispiel: „Das ist eine wahre Geschichte."

malen vs. mahlen

  • malen (ohne Dehnungs-h) = ein Bild malen, zeichnen
    • Beispiel: „Ich male ein Bild mit Buntstiften."
  • mahlen (mit Dehnungs-h) = Getreide zu Mehl verarbeiten
    • Beispiel: „Der Müller mahlt das Getreide in der Mühle."

Diese Wortpaare zeigen, wie wichtig das Dehnungs-h für die Bedeutung ist. Ein kleines h kann den Sinn eines Wortes komplett verändern!

Zusammenfassung der Ausnahmen

Es gibt wichtige Regeln, wann kein Dehnungs-h geschrieben wird:

  1. Wörter mit q, sch, sp oder t am Anfang haben kein Dehnungs-h (Ausnahmen: Stuhl, Stahl, Strahl, Pfahl, stehlen)
  2. Nach Doppellauten (eu, äu, au, ai, ei) steht meistens kein Dehnungs-h
  3. Nachsilben -bar, -sal, -sam, -tum und Vorsilbe ur- werden ohne Dehnungs-h geschrieben
  4. Besondere Pronomen (ihr, ihn, ihm, ihre, ihrer, ihnen, ihren) sind eine Ausnahme und haben ein Dehnungs-h
  5. Leicht verwechselbare Wortpaare zeigen, dass das Dehnungs-h die Bedeutung ändern kann

Übe selbst!

Teste dein Wissen über die Ausnahmen!

  1. Hat das Wort Schule ein Dehnungs-h?

    💡 Lösung anzeigen

    Nein, das Wort Schule hat kein Dehnungs-h!

    Das Wort beginnt mit sch. Wörter, die mit q, sch, sp oder t beginnen, haben kein Dehnungs-h. Also: Schule (ohne h).

  2. Hat das Wort sparen ein Dehnungs-h?

    💡 Lösung anzeigen

    Nein, das Wort sparen hat kein Dehnungs-h!

    Das Wort beginnt mit sp. Nach der Ausnahmeregel haben Wörter mit sp am Anfang kein Dehnungs-h. Also: sparen (ohne h).

  3. Welches Wort ist richtig geschrieben: Stuhl oder Stul?

    💡 Lösung anzeigen

    Stuhl ist richtig geschrieben!

    Stuhl ist eine der fünf Ausnahmen von der Ausnahme! Obwohl das Wort mit st beginnt, hat es ein Dehnungs-h. Die fünf Ausnahmen sind: Stuhl, Stahl, Strahl, Pfahl, stehlen.

  4. Welches Pronomen wird mit Dehnungs-h geschrieben: in oder ihn?

    💡 Lösung anzeigen

    ihn wird mit Dehnungs-h geschrieben!

    ihn ist ein Pronomen und gehört zu den besonderen Pronomen, die nach dem Vokal i ein Dehnungs-h haben: ihr, ihn, ihm, ihre, ihrer, ihnen, ihren.

    in ist eine Präposition (Vorwort) und wird ohne h geschrieben.

  5. Hat das Wort Traum ein Dehnungs-h?

    💡 Lösung anzeigen

    Nein, das Wort Traum hat kein Dehnungs-h!

    Das Wort hat den Doppellaut au. Nach Doppellauten (eu, äu, au, ai, ei) steht meistens kein Dehnungs-h. Also: Traum (ohne h).

  6. Welches Wort passt in den Satz: „Ich war/wahr gestern im Park."?

    💡 Lösung anzeigen

    war ist richtig!

    Der Satz lautet: „Ich war gestern im Park."

    war (ohne Dehnungs-h) ist die Vergangenheitsform von „sein" und bedeutet, dass etwas in der Vergangenheit stattgefunden hat.

    wahr (mit Dehnungs-h) bedeutet „richtig" oder „der Wahrheit entsprechend" und passt nicht in diesen Satz.

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